Elektromobilität – eine fragwürdige Illusion


Die heranziehende Elektrozeit kann uns nicht die gewohnte Mobilität bewahren, jedenfalls werden mit einer einzigen Batterieladung niemals schwergewichtige Monster mit
Tempo 160 oder mehr ohne zeitraubendes Nachladen oder Batteriewechsel von München nach Berlin bewegt werden können.

Derzeit bewegen wir uns mit den fast perfekten Energieträgern fort, nämlich den hoch energiehaltigen und leicht handhabbaren Flüssigtreibstoffen Benzin, Diesel oder Kerosin. Alkohol ist keine tragfähige Alternative. Diese Flüssigtreibstoffe kommen dem brisantesten Energieträger Wasserstoff sehr nahe ohne dessen Probleme zu haben, wie die Notwendigkeit der Tiefstkühlung auf minus 253° oder schwergewichtiger Hochdruckbehälter, die derzeit bei 700 bar Druck gerade einmal 500 Gramm Wasserstoff speichern können. Beides ist in Fahrzeugen nicht sinnvoll realisierbar. Also bleiben nur chemische Speicher, auch Batterien genannt. Diese verfügen bei allen nur denkbaren Fortschritten in der Speicherungstechnik immer über ein erhebliches Eigengewicht bei eher geringen Kapazitäten, langen Ladezeiten, einer begrenzten Lebensdauer und hohen Herstellungskosten.

Die Zukunft der privaten Mobilität wird durch einen bescheidenem Radius bestimmt sein, also Stadtverkehr und etwas mehr, allenfalls ausdehnbar durch extreme Gewichtsreduzierung des Vehikels unter Inkaufnahme von Komfortverlust. Auch die gepriesene Hybridtechnik bringt nur bei viel Bremsbetrieb Vorteile, auf ebenen Langstrecken gar nichts oder wegen des Mehrgewichts sogar Nachteile. 

Die Alltags-Untauglichkeit der Batterietechnik hat die Ende Oktober 2010 gefeierte Langstreckenfahrt eines Leichtbaufahrzeugs (alter Audi A 2 aus Aluminium) mit höchstens Tempo 90 bewiesen. Für 600 km brauchte man 300 kg Batterien, bei Benzinbetrieb hätte es unter vergleichbaren Bedingungen allenfalls 25 kg Treibstoff bedurft. Bei heute gängigem Fahrbetrieb mit Klimaanlage, Heizung, Sitzheizung, jeder Menge schwergewichtiger Lautsprecher, Fensterheber, adipöser Insassen, Gepäck und ordentlichem Tempo wäre locker der doppelte Batteriebedarf fällig, also 600 kg auf einem Anhänger, wo auch sonst?
Für Euphorie besteht kein Anlass.

Dennoch hat eine Erfolgsstory längst ganz lautlos angefangen. Das Fahrzeug muss vor allem leicht und schmal sein mit wenig Luft- und Rollwiderstand. Alle diese Bedingungen vereint das immer mehr Verbreitung findende Elektrofahrrad auf sich. So oder ähnlich wird die elektromobile Zukunft im Alltag aussehen. Die größte Erfindung der Menschheit ist das Fahrrad, das mit minimalstem Aufwand das Märchen von den Siebenmeilenstiefeln wahr werden lässt.

Hartmut Rencker,  55127 Mainz
 
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